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Frieden und Gerechtigkeit

Frieden und Gerechtigkeit war ein Motto des globalen Klimastreiks am 25. März 2022. Unser Mitglied Carola Meyer hat eine kurze Rede gehalten (nachträglich aus dem Gedächtnis notiert):

Carola Meyer bei ihrer Rede auf den Stufen vor dem Theater in Osnabrück. Eine Fridays for Future Fahne hängt im Hintergrund.
Carola Meyer bei ihrer Rede auf dem Klimastreik am 25.03.2022

Hallo zusammen,

mein Name ist Carola Meyer. Ich bin Physikerin und darf hier für die Scientists for Future spreche. Manche von Euch kennen mich vielleicht schon. Ich durfte das schon öfter bei den Klimastreiks – danke dafür an die Fridays for Future – und tue das auch immer gern. Als Physikerin kann ich gut mit Zahlen und rechne hier auch schon gerne mal was vor. Ursprünglich wollte ich das auch heute machen. Ich habe den Koalitionsvertrag gelesen und wollte hier detailliert aufzeigen, warum es halt nicht reicht. 

Aber heute kann ich das nicht. Ich entschuldige mich dafür bei meinen Fellow Scientists. Ich kann es nicht, denn es ist nach knapp 25 Jahren wieder Krieg in Europa. Es ist Krieg in Europa und gestern habe ich die Bilder aus Mariupol gesehen. Und eigentlich sollte hier heute jemand stehen, der oder die vielleicht nicht so gut mit Zahlen ist wie ich, aber dafür besser mit Worten. Denn ich habe keine Worte.

Ich habe keine Worte für die Tatsache, dass jetzt eine Pipeline nicht in Betrieb genommen wird, die nie hätte gebaut werden dürfen. Und dass es dazu diesen Krieg brauchte. Ich habe keine Worte dafür, dass jetzt ein Tempolimit und autofreie Sonntage diskutiert werden, wo wir doch längst mitten in einer Mobilitätswende sein müssten. Ich habe keine Worte, dass wir jetzt schnell unabhängig werden sollen von russischem Erdgas, wo wir doch längst in einer Wärmewende sein müssten.

Und weil ich keine Worte finde, möchte ich Euch/Sie einladen mit mir zu Schweigen und der Menschen zu gedenken, die in diesem Krieg gestorben sind und derer, die auch heute sinnlos sterben und ermordet werden.

Schweigen

Danke. Es ist Krieg in Europa. Und wir sehen schon jetzt in den Diskussionen um die Benzin- und Energiepreise wie wichtig soziale Gerechtigkeit ist. Ohne sie werden wir die großen Transformationen, die anstehen, um das Pariser Klimaziel einzuhalten, nicht schaffen. Und wir müssen es schaffen! Nicht zuletzt um des Friedens willen! 

Zu Beginn dieser Woche ist gerade der Bericht der 2. Arbeitsgruppe des IPCC erschienen. Diese Gruppe beschäftigt sich mit den Folgen der Klimakrise für die Umwelt, insbesondere auf uns Menschen. Wenn wir es nicht schaffen, deutlich unter 2 Grad Erhitzung zu bleiben, dann wird es in Südeuropa zu Dürren und Ernteausfällen kommen. Das Wasser wird so knapp sein, dass es nicht genug zum Bewässern gibt. Die Preise auf Grundnahrungsmittel werden steigen. Und wir alle wissen, was das bedeutet. Der Bericht weist eindrücklich darauf hin, dass die Gefahr für gewalttätige Konflikte steigt. Natürlich sind Kriege nicht monokausal. Aber durch die Klimakrise brechen sie schneller aus und dauern länger. Wir wollen doch alle, dass unsere Kinder in Frieden leben können! Deswegen muss die Transformation gelingen. Und deshalb müssen wir darauf achten, dass die Maßnahmen zum Klimaschutz sozial gerecht gestaltet sind. Es ist wichtig, dass wir das im Blick behalten!

Umgekehrt brauchen wir aber auch Frieden, damit die Transformation gelingen kann. Wir brauchen beides: Frieden und Gerechtigkeit – Peace and Justice!

Dankschön!

Autor:

Physik, Universität Osnabrück