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Globaler Klimastreik

Scientists for Future Infostand auf dem Williy-Brandt-Platz im September 2021. Viele Menschen am Pavillon und vor den Schautafeln.
Scientists for Future Infostand beim globalen Klimastreik auf dem Willy-Brandt-Platz.

Auf dem globalen Klimastreik am 25. September waren wir mit unserem Infostand vertreten. Dieser war über 3 Stunden lang gut besucht und wir hatten viele intensive Gespräche. Die Sketchnotes zum Klimawandel von Katharina Theis-Bröhl (S4F RG Bremerhaven) sind immer wieder ein Hingucker und eine große Hilfe. Die unter creative commons Lizenz stehenden Zeichnungen sind auch auf der zentralen S4F-Webseite im Wissenszentrum zu finden.

Annette Höhenberger erklärt einer interessierten Bürgerin eine Sketchnote zum Klimawandel.
Annette Hohenberger von S4F in der Diskussion während des Klimastreiks im September 2021 am S4F Infostand.

Unser Mitglied Carola Meyer hat eine kurze Rede zum neuen IPCC Bericht gehalten (nachträglich aus dem Gedächtnis notiert):

Hallo,

mein Name ist Carola Meyer und ich darf hier für die Scientists for Future sprechen. Wir haben uns gegründet, als den Fridays for Future noch gesagt wurde, sie sollten doch besser zur Schule gehen, um sie zu unterstützen. Denn sie haben recht!

Ich bin gebeten worden, heute etwas über den neuen IPCC Bericht, den Bericht des Weltklimarates, zu erzählen. Das mach ich auch gerne, denn ich bin Physikerin und der Teil, der jetzt veröffentlicht wurde, nennt sich „The physical science basis“. Auch wenn ich selbst keine Klimaforscherin bin, kann ich die physikalischen Grundlagen doch gut verstehen. Ich kann hier in 10 Minuten natürlich nur einen kleinen Ausschnitt präsentieren. Wer mehr und genaueres wissen möchte, kann gerne zu unserem Stand kommen. Ich halte auch gerne mal einen Vortrag dazu auf einer Veranstaltung, wenn Ihr das möchtet. Ich war nämlich so wütend über die Rezeption des Berichtes in den Medien – wütend und fassungslos – dass ich gleich mal Vortragsfolien erstellt habe.

Fassungslos war ich, weil wie zuletzt so offensichtliche Überraschung herrschte darüber, dass die 1.5 Grad Erderhitzung schon 2030 erreicht werden. Überraschend kommt da nämlich gar nichts. Die CO2 Budgets, die zu einer bestimmten Temperaturerhöhung führen, haben sich nämlich seit dem 1.5 Grad Bericht in 2018 nicht verändert. Wir haben nur fröhlich weiter emittiert und um diese Emissionen sind sie kleiner geworden. Damit wird es auch eher wärmer, denn wichtig ist nicht die Jahreszahl an sich, sondern eben das CO2 Budget. CO2braucht ca. 10 Jahre bis es in der Atmosphäre vollständig aktiv wird. D.h. das CO2 für 2030 haben wir bereits emittiert. Das können wir nicht mehr zurücknehmen.

Einen solchen Temperaturanstieg hat es in den letzten 100.000 Jahren nicht gegeben. Das sagt der IPCC Bericht. Dass wir das so genau wissen ist tatsächlich neu, denn das Paläoklima verstehen wir heute besser und genauer als in den vergangenen Berichten. Es ist so viel CO2 in der Atmosphäre wie zuletzt vor 2 Millionen Jahren. Da lebte grad mal so der Homo erectus. Unsere Menschenart gab es noch gar nicht. Wir verändern das Antlitz der Erde auf bisher nie dagewesene Weise. Und vieles davon kann nicht rückgängig gemacht werden wie der Meeresspiegelanstieg und geschmolzene Gletscher, die für hunderte und sogar tausende von Jahren nicht wiederkommen.

Was mich wütend gemacht hat, war die Behauptung, wir würden das alles ja gar nicht so genau wissen. Tatsächlich wissen wir das alles genauer als je zuvor. Das einzige, das noch recht ungenau ist, ist die Verbindung von Dürre mit dem Klimawandel. Das nennt sich „Attributionsforschung“ – also die direkte Verbindung zwischen Wetterextremen und dem menschgemachten Klimawandel herzustellen – und hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Das gab es in den früheren Berichten noch nicht. Bei der Dürre können wir bisher tatsächlich nur für den Mittelmeerraum und den Westen der USA sicher sagen, dass sie durch den Klimawandel häufiger auftritt und trockener ist. Das hängt damit zusammen, dass Dürre durch mehrere Parameter bestimmt wird, von denen jeder einzelne wieder fehlerbehaftet ist. 

Bei anderen Wetterextremen geht das aber deutlich genauer. Um ehrlich zu sein haben mich die kleinen Fehlerbalken sogar erschreckt. Starkregen z.B. hat weltweit zugenommen, in der Frequenz, aber mehr noch die Menge Wasser, die abregnet. Eigentlich nicht überraschend, denn wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, so dass mehr Wasser abregnen kann. In Deutschland haben in diesem Sommer viele Menschen in NRW und Rheinland-Pfalz leidvoll erfahren müssen, was „mehr Wasser“ bedeutet.

Was natürlich auch weltweit zunimmt, sind Hitzextreme, Hitzewellen. Z.B. eine Hitzewelle, die ohne Klimawandel einmal alle 50 Jahre auftrat, tritt bereits heute alle 10 Jahre auf und ist gut 1 Grad heißer. Bei 1.5 Grad Erwärmung – und die sind ja bereits eingepreist – wird sie alle 5-6 Jahre auftreten und 2 Grad heißer sein. Und in einer 2 Grad wärmeren Welt – in der möchte ich eigentlich gar nicht leben – tritt sie dann alle 2-3 Jahre auf und ist ca. 3 Grad heißer. Das ist so ein Sommer wie im Dürrejahr 2018, in dem nach einer neuen Studie 20.200 Menschen in Deutschland durch die Hitzewelle zu Tode gekommen sind. Den Beginn der Klimakatastrophe sehen wir heute schon. Deutschland ist hier sehr schlecht aufgestellt, was die Anpassung angeht. Wir müssen unsere Städte unbedingt hitzeresilienter machen. Wir müssen jetzt etwas tun. 

Und hier hat der IPCC Bericht auch eine gute Nachricht, oder eine schlechte, je nachdem wie man es nimmt. Jede Tonne CO2 zählt! Jede Tonne, die emittiert wird lässt es heißer werden, jede Tonne CO2, die im Boden bleibt, ist eine gute Tonne, denn sie lässt es nicht heißer werden. Von daher haben wir es in der Hand, aber wir müssen jetzt machen, machen, machen! Alles und alle für’s Klima.

Dankeschön!

Autor:

Physik, Universität Osnabrück