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Kein Grad Weiter 2020

Wir waren auf der Demonstration am 25. September mit unserem Info-Material an einem Stand vertreten und haben diesen Flyer verteilt bevor wir mit unserem Banner auf der Demonstration mitgelaufen sind:

(Klick auf Bilder zum Vergrößern oder hier als PDF herunterladen)

Unser Mitglied Dr. Carola Meyer hat eine Rede gehalten:

Schön, wieder hier zu sein, schön, Euch wiederzusehen! Ich durfte schon letztes Jahr für Scientists for Future hier sprechen. Damals musste ich uns noch vorstellen. Ich glaube, heute brauche ich das nicht mehr zu machen. Wir sind die, die sagen, dass Ihr Recht habt und über den Klimawandel informieren, seine Folgen und was man dagegen tun kann. Wir tun das bundesweit, aber auch hier mit unserer Regionalgruppe in Osnabrück. Hier haben wir dazu eine Vortragsreihe „Klimawandel und Klimaschutz“ ins Leben gerufen, die aber leider im letzten halben Jahr coronabedingt ausfallen musste. Nun haben wir uns digital aufgestellt und machen weiter ab dem 4. November und streamen live über den YouTube Kanal der
Universität.

Corona – in letzter Zeit hört man häufiger, dass die Coronakrise und die Klimakrise mit einander verglichen werden. In manchen Punkten mag das auch korrekt sein. Persönlich mag ich diesen Vergleich aber nicht, denn an 2 wesentlichen Punkten ist er falsch. Bei Corona galt und gilt „flatten the curve“, d.h. die Zahl der Neuinfektionen wird nach einem Anstieg wieder sinken. Zudem wird es irgendwann keine nennenswerten Neuinfektionen mehr geben: im besten Fall durch einen Impfstoff, im schlimmsten Fall durch Herdenimmunität. Dies gilt für die Klimakrise keineswegs. Selbst, wenn wir es schaffen, die Erderhitzung auf 1.5 Grad zu begrenzen, wird es danach nicht wieder kälter. Jedenfalls nicht für viele tausend Jahre. Es gibt auch anders als bei Corona kein exponentielles Wachstum. Es ist im Gegenteil noch schlimmer. Beim Klima handelt es sich um ein metastabiles System. Es gibt Kipppunkte und wenn diese erreicht werden, dann wird es einfach immer wärmer, selbst wenn wir aufhören Treibhausgase zu emittieren. Es wird dann so heiß, dass wir nicht wissen, wie das Leben auf der Erde aussehen kann.

Dabei gibt es schon erste Anzeichen dafür, dass wir diese Kipppunkte erreichen: Die Brände in Kalifornien und in der Tundra. Gerade die in der Tundra führen zum Auftauen des Permafrostbodens und setzen dabei Methan frei, ein Treibhausgas, das um ein Vielfaches potenter ist als CO2. Die Kolleginnen und Kollegen vom Alfred-Wegner Insitut, die gerade auf der Polarstern sind, haben den Nordpol deutlich schneller erreicht als erwartet. Auch das ist keine gute Nachricht, bedeutet es doch, dass das Eis der Arktis stark zurückgeht. Viel schneller als erwartet. Wir müssen alles tun, um zu vermeiden, dass wir diese Kipppunkte erreichen. Und das bedeutet, so schnell wie möglich die Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Um das zu erreichen, brauchen wir eine große gesellschaftliche Wende. Und wir brauchen nicht eine Wende, wir brauchen viele Wenden: Wir brauchen die Energiewende, die Wärmewende, die Agrarwende, die Mobilitätswende, die Finanzwende, und vermutlich noch viele mehr. Und ich weiß, Ihr habt das Gefühl, in den letzten zwei Jahren nichts erreicht zu haben. Aber das stimmt nicht! Zum einen schärft die Politik gerade ihre ungenügenden Ziele nach – in der EU und auch in Deutschland. Und auch wenn das noch nicht reicht und sich auch noch nicht in Gesetzen wiederfindet, so fängt sich doch etwas zu bewegen an. Und das Dank Euch! Und Kolleginnen und Kollegen aus den Sozialwissenschaften und der Psychologie sagen, wir stehen an einem anderen Kipppunkt, einem sozialen, einem gesellschaftlichen Kipppunkt. Dies ist ein Kipppunkt, den müssen wir erreichen, und deswegen demonstrieren wir heute hier mit Euch! Das ist wie ein Stein der auf einem Berg liegt, wenn der einmal ins Rollen kommt, dann gibt es kein Halten mehr. Das wissen auch die Kräfte, die dagegen stehen. Deswegen arbeiten die so vehement, denn auch sie wissen, dass der Stein schon wackelt. Und wenn wir noch ein bisschen weiter drücken, wenn Ihr noch weiter macht, dann rollt er hinab ein eine andere Zukunft. Und in dieser Zukunft sehe ich z.B. wie in Osnabrück alle Dächer mit Solarzellen bestückt sind und die Stadt ihren gesamten Strombedarf durch Photovoltaik deckt. Die Rahmenbedingungen dafür sind noch nicht optimal. Genauso wenig für die Nutzung von Agrarphotovoltaik. Denn noch ist nicht vorgesehen, das Flächen gleichzeitig unterschiedlich genutzt werden können: für Landwirtschaft und zu Stromerzeugung.

Dafür, dass die Rahmenbedingungen für die Wende besser werden, demonstrieren wir. Denn die Erde darf sich nicht noch ein Grad wärmer werden. Der Stein wackelt, heute geben wir ihm einen weiteren Schubs. Dafür stehen wir neben Euch und gehen mit Euch!

In diesem Sinne: Kein Grad weiter!

Dr. Carola Meyer, 25.9.2020 im Schlossgarten Osnabrück

Autor:

Physik, Universität Osnabrück