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Nachtrag: Leserbrief

Am 13.12. erschien in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) ein Kommentar, den wir nicht unwidersprochen lassen wollten. Da unser Leserbrief nicht abgedruckt wurde, möchten wir ihn hier veröffentlichen:

Klimaschutz sichert unsere Freiheit


Der Kommentar von Michael Clasen (NOZ v. 13.12.19) zum Klimapaket kann unserer Ansicht nach nicht unwidersprochen bleiben. Wir sind Wissenschaftler*innen und verlassen uns nicht auf Meinungen und Bauchgefühl, sondern auf die vorliegenden Daten. Herr Clasen hat Recht, dass der Klimawandel nicht unterschätzt werden darf. Seine Ausführungen weisen jedoch genau darauf hin. „Hysterischer Aktionismus im falschen Glauben eines nahenden Weltunterganges“ ist eine Formulierung, die unsere Arbeit als Natur- und Sozialwissenschaftler*innen, die auf die tatsächlichen Gefahren des Klimawandels hinweisen, disqualifiziert. Ihm ist die Lektüre der Berichte des IPCC zu empfehlen, der die Situation sachlich und aufgrund des Konsenskonzepts zum Teil fast untertrieben darstellt.
Der Klimawandel hat auch in Deutschland bereits

bedrohliche Folgen. Wir empfehlen z. B. einen Blick in den Dürremonitor des Helmholtz-Instituts (www.ufz.de). Demnach besteht aktuell trotz Regenfällen für die Böden in Ostdeutschland extreme Dürre in der für Bäume relevanten Tiefe von bis zu 1,8 m. „Brandenburg ist dabei, sich in eine baumlose Steppe zu verwandeln“, warnte Dr. A. Lechner von der Universität Osnabrück in unserer Vortragsreihe „Klimawandel und Klimaschutz“ (https://www.os-scientists4future.de).
Wer wie Herr Clasen die „religiöse Huldigung eines 16-jährigen Mädchens“ beschwört, ignoriert, dass das, was Greta Thunberg proklamiert, schon vor 40 Jahren vom Club of Rome genau so formuliert wurde. Anzunehmen, wir könnten nur dort Anpassungen vornehmen, wo es keinem weh tut, ist blindes Vertrauen in ein System, das uns überhaupt erst in die jetzige Situation gebracht hat. Wir als Scientists4Future engagieren uns dafür, dass die Menschen die Bedrohung des Klimawandels wahrnehmen und verstehen, damit endlich gehandelt wird. Der Kommentar von Herrn Clasen

bewirkt das genaue Gegenteil und ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die nichts ändern wollen und damit die derzeitigen und zukünftigen Schäden durch den Klimawandel billigend in Kauf nehmen.
Die Aussage, das „Ideal der Freiheit wird durch Verzicht und Verbote ersetzt“, ist eine demagogische Formulierung angesichts der Tatsache, dass bei gleichbleibenden Emissionen das globale CO2-Restbudget in 9 Jahren aufgebraucht sein wird, wenn die Erderwärmung auf 1,5 °C im globalen Durchschnitt begrenzt werden soll. Wollen wir dieses im Pariser Abkommen formulierte Ziel erreichen, wird das ohne Umstellungen nicht gehen.

Zur Einhaltung der planetaren Grenzen müssen möglichst viele effektive Maßnahmen parallel umgesetzt werden
.
Gesteigerte technologische Effizienz und neue Unternehmenskonzepte sind definitiv wichtige Lösungsansätze und Stellschrauben; aber eben nicht das Allheilmittel als das sie Herr Clasen darstellt. Es ist auch notwendig, dass wir die Kosten begleichen, die der aktuellen und zukünftigen Gesellschaft durch den Einfluss unserer Konsumentscheidungen und Produktionsweisen auf die natürlichen Ressourcen entstehen bzw. dass wir deren Einfluss minimieren. Die Natur diskutiert nicht und wer Menschen erzählt, dass ohne Veränderungen eine Wende herbeigeführt werden kann, der bedroht, wenn nicht bereits die Freiheit der jetzigen Generationen, dann sicher die Existenzgrundlage der kommenden.


Scientists for Future Osnabrück,
vertreten durch Dr. rer. nat. Roger Dietrich, Maximilian Dornhoff (M.Sc.), Dr. rer. soc. Laura Herzog, Dr. phil. Annette Hohenberger, Prof. Dr. rer. nat. Kathrin Kiehl, Dr. rer. nat. Carola Meyer, Felix Przesdzink (B.Sc.), Dr. agr. Wolfgang Schaefer, Dr. rer. nat. Hendrik Sielaff, Prof. Dr. rer. nat. Chadi Touma, Melanie Velarde (M.Sc.)

Autor:

Mathematik, Universität Osnabrück